Veranstaltungsbericht zum Hackday 2019 Moers

Vom 22. – 24. März 2019 ging der Hackday in Moers bereits zum 5. Mal an den Start. Dieses Mal hat sich alles um das Thema Open Data gedreht und wir waren natürlich dabei. 

Freitagabend ging’s los mit einem offenen Coding-Workshop zusammen mit Thomas Tursics und einem Talk von Stefan Wehrmeyer. Stefan kommt von FragDenStaat und hat zum Thema “Topf Secret – Informationsfreiheit in die Küchen der Kommunen bringen” erzählt. Er kämpft für die Offenlegung von Daten über alles, was so in den Behörden passiert und dafür, dass jeder die Möglichkeit hat, diese anzufordern. Willst du zum Beispiel wissen, wie viele Knöllchen in Duisburg 2018 verteilt wurden, kannst du die Info per Mausklick anfordern. Die Anfrage wird entsprechend formuliert und an die dafür zuständige Stelle geleitet. Kommt dazu eine Antwort, erhält man diese und sie wird zudem auf der Website offengelegt, damit auch andere Bürger Zugriff darauf haben. Stefan hat ebenfalls darüber gesprochen, womit er gerade Ärger hat: Er hat nämlich aktuell eine Unterlassungsklage am Hals, gegen die er wiederum selbst klagt. Hierbei geht es um das Informationsfreiheitsgesetz. Fragt er nämlich bei der Bundesregierung beispielsweise etwas zu Glyphosat an, muss ihm dazu zwar Auskunft gegeben werden, aber eben nur ihm: Und da geht er los, der Kampf um die Offenheit dieser Infos. Außerdem hat Stefan noch die gemeinsame Initiative „Topf Secret“ mit foodwatch.de vorgestellt. Hier ist es Bürgern möglich, Hygieneberichte von Lokalen und Restaurants anzufordern. Allerdings wird auch hier mit schrägen gesetzlichen Voraussetzungen gekämpft. Unschön ist nämlich, dass den Kommunen die Anfrage in Rechnung gestellt werden kann und dass die Lokalität, die man angefragt hat, ein Recht darauf hat zu erfahren, wer genau die Anfrage gestellt hat. Fazit: Ein sehr interessanter Talk zu einem spannenden Thema! Wenn euch das Ganze weiter interessiert: Hier geht’s zur Website:  FragDenStaat.de.

Der Samstag startete erneut mit einem Coding-Workshop mit Thomas Tursics, der Teilnehmern aller Altersklassen (also tatsächlich so von 8 bis 80 Jahren!) anhand einfacher Beispiele gezeigt hat, wie man Open Data im Internet anzapfen, visualisieren und sogar in eine kleine Website packen kann. Auf das offizielle Opening um 10:00 Uhr folgten parallel zu dem Workshop mehrere Talks, die wir insgesamt ebenfalls als sehr interessant und informativ wahrgenommen haben: Susanne Kremmer und Karl-Matthias Pick von Mein Stadtarchiv haben eine Menge zu Digitalisaten erzählt. Wat dat sein soll?! Ein Beispiel wäre ein Blatt Papier, das eingescannt wurde. Der Scan ist dann das Digitalisat des Dokuments. Durch diese Technologie werden u. a. viele Stadtarchive öffentlich zugänglich gemacht. Datenjournalistin Marie-Louise Timcke von der Funke Mediengruppe hat einen Vortrag zur Visualisierung von offenen und nicht offenen Daten gehalten und erklärt, wie mit interaktiven Grafiken Geschichten erzählt werden können. Patricia Ennenbach und Simon Jockers von Datengui.de, ebenfalls beide Datenjournalisten, haben erzählt, wie sie mit ihrem Open-Source-Projekt z. B. ellenlange Tabellen und deskriptive Statistiken, die für den Normalo zwar interessant, aber niemals lesbar und auswertbar wären, anschaulich zugänglich machen. Auch Mario Wiedemann hat zum Thema Musterkatalog Open Data das Wort ergriffen. Er kommt von der Bertelsmann Stiftung, die sich in der Smart Country Initiative sehr für die digitale Transformation von Kommunen engagiert, in deren Rahmen auch der Open Data bzw. Hackday entstanden ist. Last, but not least, hat Michael Hermes vom LoRa-Projekt “Aaseetonne” berichtet, ein interessantes Projekt, das bei einem Hackday in Münster entstanden ist: Als einer der beliebtesten Ausflugsorte in Münster sind infolge von Verschmutzungen etliche tausend Tonnen von Fischen im Aasee gestorben, weshalb dringend etwas an der Wasserqualität getan werden musste. Mittels LoRaWAN wurde eine Boje mit professioneller Wassermesstechnik gebaut, um die Wasserwerte im Aasee zu überprüfen. Diese schwimmt jetzt das ganze Jahr über darin und übermittelt dauerhaft und wireless die Messdaten an einen Server.  

Im Anschluss an die Talks starteten nach dem Brunch am Samstagmittag dann die eigentlichen Hack-Workshops, die am Sonntag noch fortgesetzt wurden. Von und mit CAD Schroer aus Moers wurde der 3-D-Workshop “Virtuelles Museum” angeboten, bei dem es um die 3D/VR/AR-Visualisierung von Gebäuden ging. Konkret wurde mit Aufnahmen aus dem Stadtmuseum Moers ein virtuelles Museum erstellt. Casper Armster leitete parallel dazu den LoRaWAN Workshop, in dem gleich zwei Projekte umgesetzt wurden, die bei einem vorangegangenen LoRaWAN Ideen-Workshop entstanden sind. So wurden für das Moers Festival eine App entwickelt, Platinen gebaut und die Hardware Module gelötet, um die fahrbaren Bühnen des Jazz Festivals zu tracken. Über LoRaWAN werden die Positionen der Bühnen dann live in der App angezeigt, sodass die Konzerte spontan besuchbar sind. Interessant auch: Es kann nicht nur die genaue Position bestimmt werden, sondern darüber hinaus erfasst werden, wie viele Smartphones sich gerade in der Nähe befinden. Dadurch lässt sich vorhersagen, wie viel gerade an welcher Bühne los ist. Zusätzlich wurde ein Wassertemperatursensor für das Naturfreibad Bettenkamper Meer in Moers, entwickelt. Durch den hohen Wasserdurchfluss ist das Wasser oft sehr kalt, daher wäre es doch ganz nett, wenn man die aktuelle Temperatur auf der Website der Stadt Moers oder in einer App immer abrufbereit hätte. Um das möglich zu machen, wurde mit LoRaWAN und Temperatursensoren ein Modul gebaut, welches genau diesen Zweck erfüllt und das demnächst in Betrieb geht. 

Der Samstagabend endete mit einem gemeinsamen Essen und man saß bei kühlen Getränken zusammen. Am Sonntag haben dann alle Teams ihre Ergebnisse präsentiert und anschließend den Abschluss gefeiert. 

Unser Fazit:  Hat sich mega gelohnt, eine richtig starke Veranstaltung, auf der viel los war, motivierte Leute, einfach eine absolute Empfehlung!

Übrigens: Falls wir mit diesem Blogbeitrag das Interesse von dem ein oder anderen geweckt haben sollten, der vielleicht schon vor dem nächsten Hackday Bock hat, an ähnlichen Projekten mitzuarbeiten oder die Leute dahinter kennenlernen will, kann das immer Dienstags an der VS in Moers tun oder einfach Kontakt aufnehmen: www.codeforniederrhein.de Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Jungs und Mädels von Code for Niederrhein sich auf euch freuen 😉